Tom Rachman “Aufstieg und Fall großer Mächte”

Tom RachmanTom Rachman verströmt sehr viel Ruhe, wenn man ihn trifft. Sein Händedruck ist fest und warm, seine Stimme weich. Er sieht gut aus. Und er spaltet wohl die Leserschaft seiner Bücher.

Als ich vor vier Jahren “Die Unperfekten” gelesen hatte, war für mich klar, dass ich, egal was Rachman schreibt, es lesen werde. “Die Unperfekten” war großartig, was auch andere Leser bestätigen werden. Deswegen waren meine Erwartungen an seinen neuen Roman  groß. Leider konnte er sie nicht gänzlich erfüllen.

“Die Menschen behielten ihre Bücher, dachte Tooly, nicht, weil sie sie noch einmal lesen wollten, sondern weil die Bücher ihre Vergangenheit enthielten – die Struktur des eigenen Ichs an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit, ein Ausschnitt des eigenen Intellekts jeder Band, egal, ob man ihn geliebt oder verachtet hatte oder ob er auf Seite vierzig zum Einschlafen war. Man mochte im eigenen Kopf gefangen sein, doch verbrachte man sein Leben damit, aus diesem versperrten Raum ausbrechen zu wollen.” (484/485)

Mareike und Hauke hatten “Aufstieg und Fall großer Mächte” gelesen und ihren Rezensionen kann man entnehmen, dass ihnen Toolys Geschichte gefallen hatte. Ich war von der ersten Hälfte des Buches ebenfalls begeistert. Ich fand es großartig, wie Rachman seine Geschichte spinnt. Die Zeitsprünge forderten meine Aufmerksamkeit, ich hatte mich zwischen den Zeilen sehr wohl gefühlt und fieberte jedem neuen – skurillen – Abenteuer entgegen. Mit der Zeit kam jedoch bei mir während des Lesens gewisse Gereiztheit auf. Vieles war zu viel – zu viele Seiten, zu viele Sätze, ein Wirrwarr, das sich leider nicht entwirren ließ. Ich fand so unheimlich schade, dass der Autor mich irgendwo in Bangkok stehen ließ und nicht mehr abholte. Ich folgte Toolys Spuren dennoch bis zum Schluss, ich suchte sie zwischen den Seiten, um zu verstehen, was eigentlich in ihrem Leben passiert war. Letztendlich bin ich auch froh, den Roman gelesen zu haben, auch wenn er mich nicht gänzlich zufrieden stellen konnte. Ich weiß auch, dass ich Tom Rachman, sollte er wieder einen Roman veröffentlichen, eine weitere Chance geben werde. Ich werde aber ohne große Erwartungen an sein zukünftiges Werk gehen, denn es könnte passieren, dass sie nicht erfüllt werden. Ob ich Euch das Buch nun empfehlen würde? Ich erwähnte oben, dass der Roman die Leserschaft spaltet. Deswegen empfehle ich Euch nur so viel – lest auf jeden Fall rein. Vielleicht und hoffentlich gehört Ihr zu den Lesern, die begeistert sein werden. Vielleicht habt Ihr auch einfach Lust auf einen dicken Schmöker, der Euch ein bisschen träumen lässt, ein bisschen über Freundschaft und Liebe erzählt? Wenn Ihr nicht zu viel erwartet, werdet Ihr auch nicht enttäuscht. Ich würde dem Buch auf jeden Fall eine Chance geben.

Humphrey: “Bücher [...] sind wie Pile. Sieht man nicht hin, vermehren sie sich. Ihre Zahl wächst nach Regeln von Zinseszins: Ein Interesse führt zu nächstes Interesse, und das verbindet sich mit drittes Interesse. Und schwups, hast du nicht gesehen, hat man mehr Interesse als Platz im Schrank.” (407)

Aufstieg und Fall großer MaechteSusanne las ebenfalls den Roman und sie gehört zu den Lesern, die mit “Aufstieg und Fall großer Mächte” nicht warm geworden sind. Warum? Hier schreibt sie darüber:

Schade, schade, schade. Tom Rachman ist zweifellos ein Mann, der es versteht Geschichten zu erzählen, Stimmungen mit Worten zu malen und Menschen zu zeichnen, die man sehen, hören, riechen und schmecken kann. Rachman liebt die Worte und die Worte lieben ihn. Gleich zu Beginn des Romans gelingt es ihm ganz wunderbar, den kleinen, hoffnungslos überfüllten und chaotischen Buchladen aufleben zu lassen, der mitsamt seiner wenig geschäftstüchtigen, dafür aber umso bücherverliebten, sympathischen Inhaberin Tooly Zylberberg und ihrem Angestellten Fogg irgendwo in Wales genau das ist, was sein Name schon sagt, “World’s End”. Eine kleine Idylle, in der sich der Staub der alten Folianten mit dem Teedampf in den Pötten aufs einladendste vermischt. Ein perfekter Ausgangspunkt für eine Reise, die hier ihren Ausgang nehmen wird und auf die man sich gespannt einlässt. Was dann allerdings folgt, deckt mit zunehmendem Fortgang Rachmans Schwäche auf: Er mag ein Künstler des Wortes sein, ein Fachmann der Konstruktion ist er keinesfalls. Umständlich bis unverständlich breitet er Toolys Leben, das vor Absurditäten nur so strotzt, auf vielen Seiten aus und statt Klarheit zu schaffen, verwirrt er damit den Leser zusehends. Die in drei Dekaden unterteilte Geschichte des heimatlosen Mädchens, das wie ein Gummiball von einem Land ins nächste, von einer Beziehung zur nächsten geworfen wird, erschließt sich leider bis zum Schluss der Geschichte nicht. Da tauchen Menschen ebenso unversehens auf wie sie wieder verschwinden, Handlungsstränge werden aufgegriffen, die für den Fortgang des Romans komplett irrelevant sind und sich schließlich ein ums andere Mal im Nichts verlieren. Tooly macht sich auf die Suche nach ihrem eigenen Leben, nach dem eigenen Ich, doch bedauerlicherweise gelingt es dem Autor nicht, diese Suche plausibel zu gestalten. Sollte Tooly am Ende der Geschichte zu sich selbst gefunden haben, dann hat sie damit dem Leser einiges voraus.

Es gibt ja eine Theorie, die besagt, dass es bei Literatur nicht in erster Linie um einen guten Plot ginge (schließlich sei jede denkbare Geschichte bereits vielfach erzählt worden), sondern darum, dass der Autor mit seinen sprachlichen Mitteln diese Handlung so präsentiert, dass sie dem Leser einen emotionalen, intellektuellen oder auch nur vergnüglichen Gewinn verschafft. Mag sein, dass diese Ansicht seine Berechtigung hat, sicher ist aber auch, dass selbst die besten literarischen Mittel nicht ganz und gar über einen missglückten Handlungsverlauf hinwegtrösten können. Alles in allem kann ich niemandem raten, dieses Buch zu lesen, was aber nicht bedeutet, dass Tom Rachman nicht ein wirklich guter Autor sein kann, wenn es ihm gelingt, mehr Stringenz und Sinnhaftigkeit in die jeweilige Geschichte zu legen, die er erzählen will.

* * *

Tom Rachman_AufstiegHabt Ihr “Aufstieg und Fall großer Mächte” gelesen? Habt Ihr darüber geschrieben? Dann schickt mir einen Link. Ich bin sehr gespannt, wie Euch das Buch gefallen hat.

Tom Rachman, “Aufstieg und Fall großer Mächte”, dtv, ISBN 3423280352

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Wydawnictwo Literackie: Szczepan Twardoch “Morfina”

Morphin_Szczepan Twardoch„Es ist wieder an der Zeit, dass ich mehr polnische Bücher lesen sollte“… Das dachte ich vor einigen Monaten, als ich in der Verlagsvorschau des Rowohlt Verlages den Spitzentitel „Morphin“ von Szczepan Twardoch entdeckt hatte, ein Buch, das inzwischen von Flattersatz ausführlich besprochen wurde.

Seitdem ich in Deutschland lebe, zehn Jahre sind es inzwischen, lese ich kaum auf Polnisch. Die deutsche Sprache ist mir vertrauter geworden, ich kann meine Gedanken besser auf Deutsch formulieren, dennoch greife ich immer wieder zu polnischen Texten. Joanna Bator, Olga Tokarczuk, Wojciech Kuczok, Andrzej Stasiuk, die auch hierzulande ihre Leser finden, schätze ich sehr. Bator, Kuczok, Stasiuk, deren Bücher in der deutschen Übersetzung im Suhrkamp Verlag erscheinen, las ich auf Deutsch. Nein, stimmt gar nicht. Ich hatte die Bücher auf Deutsch angelesen und stellte schnell fest, dass sie zwar gut übersetzt und an die deutsche Sprache angepasst wurden, das polnische Flair allerdings fehlte mir stets. Als ich dann zu Olga Tokarczuk griff und die Übersetzung mit dem Original verglich, wusste ich, dass ich doch die polnischen Autoren im Original lesen will.

Morfina_Szczepan TwardochSzczepan Twardochs Roman „Morphin“ (“Morfina“) las ich zeitlang parallel auf Polnisch und auf Deutsch. Schnell stellte ich fest, dass es sich hier zwar um eine gute Übersetzung handelt, glücklich war ich aber nicht wirklich mit ihr. Vieles, was, meiner Meinung nach, die Geschichte durch die sprachliche Feinheiten ausmacht, konnte nicht wiedergegeben werden. Die polnische Sprache zeichnet sich durch ihre Härte und Schärfe aus, gleichzeitig kann sie unheimlich zärtlich und poetisch sein, dann wiederum brutal und eklig. Szczepan Twardoch hat in seinem Roman die Atmosphäre der damaligen Zeit unglaublich gut und bildhaft eingefangen. Ihm ist ein großartiger Roman gelungen. Mit seinen Worten hat er ein Bild gezeichnet, das mich schockiert und bewegt hat. Er hat mir auch gezeigt, dass ich die polnischen Autoren unbedingt im Original lesen möchte, weil sie wirklich gute Literatur schreiben.

Eine kleine Anmerkung: das polnische Cover finde ich gelungener als das Deutsche. Zwar verstehe ich die deutsche Gestaltung und finde sie “nicht schlecht”, das polnische Cover ist jedoch aussagekräftiger und verströmt die Angst und den Wahnsinn, die auch zwischen den Zeilen, zwischen den Seiten stets präsent sind.

Wydawnictwo Literackie, polnischer Verlag, der namenhafte, zeitgenössische Autoren unter Vertrag hat, gehört für mich stets zu den ersten Anlaufstellen, wenn ich nach neuen Büchern suche. Ich habe inzwischen nicht viel Kontakt mit der polnischen Sprache, sehr selten. Die Bücher helfen mir immer, meine Muttersprache nicht zu vergessen. Deswegen freue ich mich sehr, dass neue Romane von Olga Tokarczuk und von Szczepan Twardoch erscheinen. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, möchte ich sie ebenfalls lesen und in die polnische Welt eintauchen, die mir inzwischen leider fremd geworden ist. Da ich jedoch meine Wurzeln und die polnische Sprache nicht vergessen möchte, greife ich gerne zur polnischen Literatur. Denn die Literatur ist ein fester Bestandteil meines Lebens. So wie inzwischen Wydawnictwo Literackie.

Vielleicht komme ich auch mal dazu, auf Polnisch zu schreiben. Im Moment beschränke ich mich jedoch auf das Lesen. Polnische Bücher kann ich Euch trotzdem empfehlen ;-) Vor allem auch diejenigen, die übersetzt wurden, damit auch Ihr polnische Autoren kennen lernt. Es lohnt sich.

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Andreas Izquierdo „Der Club der Traumtänzer“

Andreas Izquierdo Der Club der TraumtaenzerAndreas Izquierdo  „Der Club der Traumtänzer“
DuMont Buchverlag
ISBN 978-3-8321-6263-4

Manchmal finden die Bücher ihre Leser im richtigen Moment. Man erwartet nichts von ihnen, will einfach reinlesen und merkt plötzlich, dass das genau die richtige Lektüre ist, für die Stimmung in der man sich befindet; da fliegen die Seiten einfach so dahin und jede Zeile begeistert. So ist es mir mit „Der Club der Traumtänzer“ ergangen.

Andreas Izquierdo, der mich vor einiger Zeit mit seinem Roman „Das Glücksbüro“ begeistert hatte, schaffte es wieder. Sein neuer Roman, der vor Kurzem im DuMont Buchverlag erschienen ist, ist ein Glücksgriff für jeden Buchliebhaber. Nein, diese Feststellung dürfte zu voreilig sein. Ich weiß, dass es Menschen gibt, denen das Buch nicht gefallen wird. Ich kann sie mir nur zu gut vorstellen, diese Leser. Ein bisschen verbittert, ein bisschen hochnäsig vielleicht, schlecht gelaunt. Aber ich kann mich natürlich täuschen. Es kann sein, dass das Buch ausgerechnet ihnen gefallen wird. Oder allen da draußen. Oder niemandem. Aber wisst Ihr was? Das ist nebensächlich, auch wenn ich dem Buch viele Leser wünsche. Im Moment ist es mir sehr wichtig, dass MIR das Buch gefiel, dass es mich begeisterte, fesselte, mich mitfiebern ließ. „Der Club der Traumtänzer“ ist warmherzig, flüssig und spannend geschrieben, plausibel konstruiert, so richtig schön, manchmal sogar kitschig und verdammt gut. Es ist ein Buch, das ich persönlich nicht jeden Tag lesen könnte, weil ich doch ab und an bisschen anspruchsvollere Bücher lesen möchte. Es ist aber ein Buch, das zu genau richtiger Zeit zu einem Lieblingsbuch wird, das man jedem in die Hand drücken will. Es wird zum Herzensbuch, das glücklich und zufrieden macht, nachdenklich stimmt. Wenn ich in einer Kritikerlaune wäre, würde ich kritisieren, dass die Geschichte ziemlich vorhersehbar ist.  Ich bin es aber nicht und ich will nur den sympathischen Autor loben, dass er es wieder schaffte, mich mit seinem Buch zum richtigen Zeitpunkt abzuholen.

Danke, Andreas, für Deine Fantasie, für Deine Ideen, die Du so schön in Worte gepackt hast. Ich habe wunderschöne und auch tränenreiche Lesestunden verbracht. Ich habe viel gelacht, Deine Protagonisten ins Herz geschlossen, mich geärgert, gefreut und gelitten mit ihnen, sie auch ein bisschen bemitleidet und gleichzeitig gefreut, dass es mir im Vergleich mit dem Club der Traumtänzer doch recht gut geht. Danke auch, dass Du über das Tanzen schreibst. Ich liebe nämlich jede Art von Tanz.

Andreas Izquierdo

 Andreas Izquierdo © Natalie Pelosi

Pssst… Keine Ahnung, warum, aber während des Lesens habe ich mir immer vorgestellt, dass der Protagonsit Gabor wie Andreas aussieht. Gutaussehend, im Anzug… Ich denke zwar nicht, dass Andreas Mistkerl ist, aber die Vorstellung, wie er in seinem Appartement Badabing! tanzt, bleibt unvergesslich. Danke, Andreas, für das unglaubliche Kopfkino :-) Ihr wollt wissen, was „Badabing!“ ist? Lest das Buch! Ihr werdet es nicht bereuen.

Der Club der Traumtaenzer_Ein Mistkerl entdeckt sein Herz

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[Gastrezension: Susanne] Nino Haratischwili “Mein sanfter Zwilling”

Nino Haratischwili_Mein sanfter ZwillingLobeshymnen sind einfach. Verrisse ebenso. Die Königsdisziplin heißt: das Sowohlalsauch. Wenn Superlative ausfallen, seien es die guten oder die schlechten, muss man sich bemühen, um das angemessen auszudrücken, was man spürt. Differenziertheit ist allemal anstrengender und komplizierter als Jubelschreie oder Buhrufe. “Mein sanfter Zwilling” von Nino Haratischwili nötigt genau dazu, zum konzentrierten Hinschauen und dazu, sich nicht vor der Bürde des genauen Formulierens zu drücken. Aber bevor es nun allzu abstrakt und abgehoben wird, sage ich, was ich zu sagen habe und muss es den Lesern überlassen zu beurteilen, ob sie mit dem Geschriebenen etwas anfangen können.

Man könnte Haratischwilis Roman in die Schublade “Liebesgeschichte” stecken und würde ihm damit ebenso gerecht wie ungerecht. Die Autorin erzählt von Stella und Ivo, die sich lieben, die sich Leid zufügen, die sich trennen, um sich wieder zu treffen, die miteinander schlafen, nur um sich gleich danach die schlimmsten Verletzungen zuzufügen, wie nur Liebende es können. So weit, so Liebesgeschichte. Auch das Faktum, dass Stella und Ivo Halbgeschwister sind und – dieses wohl wissend – trotzdem tun und fühlen, was sie tun und fühlen müssen, ändert nichts daran, dass hier eine echte Liebesgeschichte erzählt wird. Nichts Neues unter der Sonne soweit. Wirklich bewegend ist indes die Tatsache, dass hier nicht der übliche Plot (die Welt darf es nicht wissen) zum zigsten Mal wiedergekäut wird, sondern tiefere Schichten ergründet werden, die weder vorhersehbar noch leicht verdaubar sind. Keine kitschige “Wir gegen den Rest der Welt”- Handlung, kein “Amor vincit omnia”. Die Autorin bemüht sich stattdessen aufzuzeigen, wie Leben laufen können, wenn Verstrickungen es unmöglich machen, einen geraden Weg zu gehen. Bemühen deshalb, weil einige Handlungsschleifen, die zu diesem Zweck gedreht werden müssen, doch ein wenig zu konstruiert sind, ein bisschen zu wohlfeil passend für den dramaturgischen Verlauf. Aber das verzeiht man der Autorin, die sich glücklicherweise nicht lange damit aufhält, die äußere Handlung zu erklären und sich stattdessen darauf besinnt, was ihr wirkliches Können ausmacht: die Beschreibung von innerer Zerrissenheit, von dem Widerstreit zwischen Gefühl und Verstand, von Schuld und Sühne und nicht zuletzt von der Unmöglichkeit das Richtige zu tun, weil das zugleich immer auch das Falsche beinhaltet. Eine Anmerkung muss ich außerdem unbedingt los werden: Bei Haratischwilis Roman handelt es sich um eines der seltenen Exemplare, bei denen ich am Anfang Anlaufschwierigkeiten hatte, insbesondere, weil die Sprache doch eher hölzern daherkommt und ich deswegen schon beinahe das Buch aus der Hand gelegt hätte. Aus mir unerklärlichen Gründen verliert sich diese Schwäche jedoch und verwandelt sich bisweilen ins genaue Gegenteil. Manchmal lohnt sich das Durchhalten eben doch.

Viel ist zur Zeit von Nino Haratischwilis dickem Schinken “Das achte Leben (Für Brilka)” zu lesen und zu hören. Eine, so heißt es, Monumental-Familiengeschichte, klug, spannend, mitreißend. Da mir selbst die Autorin bis dato völlig unbekannt war, wollte ich mir vor dem Kauf des knapp 1.300-Seiten-Klopses erst einmal ein Bild davon machen, ob ich es für plausibel halte, dass diese Vorschusslorbeeren mehr sind als ein gelungener PR-Coup eines Verlagshauses. Aus diesem Grund habe ich mir ihr im Umfang deutlich schmäleres Werk (rund 380 Seiten), das letztes Jahr erschienen ist, vorgenommen. Und was soll ich sagen: Ja, ich werde “Das achte Leben” kaufen und ich freue mich darauf, die Stimme der Autorin wieder zu hören.

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[Gastrezension: Marc] Über die Dinge im Leben, die einem Selbiges versauen

„Mein Leben hatte ein paar Schrammen abbekommen. Nichts Arges, aber doch genug, um mich ein wenig aus dem Tritt zu bringen.“

Was uns nicht gehoertJeder kennt es wahrscheinlich, dieses Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, abgestoßen von der Firma, vom Freund/der Freundin, von Bekannten oder von der Familie und wie sich das auf die Psyche und auf die Person auswirkt. Zwar bei jedem unterschiedlich, aber jeder wird mit dem Kopf nicken, wenn er Paul Epkes Geschichte hört, denn etwas ähnliches und in Mehrfachausführung passiert auch diesem Mann, der in seinen besten Jahren befindlich und nach treuem Dienst von seinem Chef Bernd Kremer persönlich entlassen wird. Die Geschäftslage lässt es einfach nicht zu und ähnliches Blabla bekommt er zu hören und dadurch, das Paul noch nicht so lange in der Firma gearbeitet hat, ist er auf der Abschussliste weiter oben zu finden. Er wird mit einer Abfindung und einer Lohnfortzahlung von acht Monaten abgespeist und findet sich mit der Situation ab, wird bequem, da er ja noch Zeit hat, einen neuen Job zu finden und lässt sich ein wenig treiben. Von seiner Frau Sonja ist er ebenfalls getrennt, da sie sich einen reicheren, in ihren Augen besser zu ihr passenden Mann gefunden hat. Das hält sie jedoch nicht davon ab, doch noch ab und zu bei Paul vorbeizuschauen und mit ihm zu schlafen. Auch diese Situation, bei aller Abscheu, genießt Paul sehr. Doch der Abwärtstrudel hält an, als er davon Wind bekommt, dass Walter&Kremer, die Firma, für die er 7 Jahre lang geschuftet hat, Insolvenz anmeldet und er mit seiner Austrittsvereinbarung von seiner Lohnfortzahlung keinen Cent mehr sehen wird. Somit ist er nun zum handeln gezwungen, sonst hat er bald kein Geld mehr. Bei seiner Stellensuche wird er bei der Bar Mahagoni fündig und darf für ein paar Stunden in der Woche an der Garderobe arbeiten. Kein sehr lukrativer Job, aber immerhin kommt dadurch ein wenig Geld in die klamme Kasse. An einem der Abende lernt er die Sängerin Marie Mercier kennen, die an mehreren Abenden in der Bar französische Chansons zum Besten gibt. Diese Musik und die Ähnlichkeit mit der Sängerin Mireille Mathieu lenkt ihm von dem ersten, etwas seltsam anmutenden Auftritt dieser Frau ab. Irgendetwas an ihr lässt ihn auf den Gedanken kommen, sie näher kennen lernen zu wollen und so beschließt er, als sie mit ihrem dritten Auftritt durch ist, mit ihr durchzubrennen und sie bei ihrer Fahrt quer durch Deutschland zu begleiten. Was zunächst wiedas größte Glück aussieht, entpuppt sich im Endeffekt auch nur als eine weitere Sackgasse in Paul Epkes Leben, nur das er das noch nicht sieht.

„Ich sah ihn an, und obwohl er ein durchaus freundliches Gesicht hatte, verspürte ich den dringenden Wunsch, ihn zu ohrfeigen, solange, bis er jedes einzelne Wir zurückgenommen hatte. Jedes Wir und jeden der albernen Jobs, die er wie Glücksverheißungen vor mir auf den Tisch ausgebreitet hatte.“

Martin Gülich versteht es, dem Leser die Geschichte um Paul Epkes auf eine eher leise, lakonische Art näher zu bringen. Auf den ersten Blick wirkt sie langweilig und man meint es passiert nichts, doch eigentlich prasselt eine Menge auf den Menschen Paul Epkes ein, doch er erträgt die ganzen Nackenschläge mit einer stoischen Ruhe, dass man ihn dafür bewundern möchte. Genau diese stoische Ruhe des Hauptcharakters bringt uns der Autor mit diesem Buch näher. Kein Ausrasten, kein Reflektieren über seine Zunkunft, nichts. Einfach ein treiben lassen und mal sehen, was als nächstes kommt. Da verliert der Mann seinen Job, seine Frau, hat bald kein Geld mehr zur Verfügung, wird des Arbeitsamtes verwiesen und nicht ernst genommen, seine alten Kollegen jammern ihm was vor, obwohl es ihnen besser geht als Paul Epkes selbst und dazu hat er noch einen dementen Vater in Behandlung, der ihn nicht erkennt und bei jeder Gelegenheit Fetzen der Vergangenheit von sich gibt. Man könnte jetzt einwenden, dass das für sein schmales Büchlein von nicht gerade mal 200 Seiten, ganz schön viel sein könnte. Doch Martin Gülich hält die Balance und überfordert den Leser nicht, denn meist wird nur in kurzen Sequenzen angerissen, was Paul Epkes gerade widerfährt und die Hauptgeschichte ein wenig mehr voran treibt. Mit Marie wird uns im Verlauf ein zweiter Charakter vorgestellt, der anscheinend mit beiden Beinen im Leben steht, doch, wenn man genauer hinsieht, sich genau so treiben lässt, wie Paul. Man könnte meinen, hier haben sich zwei gefunden und merken das auch. Und genau hier habe ich ein paar Probleme mit diesem Buch. Ich kaufe dem Autor vieles ab, doch das Durchbrennen mit Marie passte mir irgendwie nicht zu dem vorher vorgestellten Charakter von Paul Epkes. Er fängt die Situation zwar dann wieder ein und fährt genau so ruhig fort, wie vom Beginn gewohnt, doch leitet er das Buch mit einem Paukenschlag aus, bei dem man im ersten Moment dasitzt und denkt, der arme Paul, doch leider hat es Martin Gülich mit diesem Ende ein wenig übertrieben und was nicht zum Hauptton des Buches passen wollte, einfach weil es zu überraschend und zu abrupt eingebaut wurde. Es zerstört in meinen Augen den gesamten Aufbau der Geschichte. Insgesamt ist es kein schlechtes Buch, mit ein paar kleinen Macken. Wer einen ruhigen Erzählton mag und Geschichten gut findet, die einen eher traurigeren Grundton mit sich bringen, der ist bei Martin Gülichs „Was uns nicht gehört“ bestens aufgehoben. Mir hat die Geschichte bis auf das Ende zugesagt, was mich doch etwas ratlos zurückgelassen hat. Doch regt es den Leser auch zum Nachdenken an und wenn das ein Buch schafft, kann es ja nicht ganz schlecht sein.

“Was uns nicht gehört” Martin Gülich, Nagel & Kimche ISBN: 978-3-312-00538-3 

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„Mein Nachbar liest ein Buch“ von Koen van Biesen

BuecherSeit meine Tochter auf der Welt ist, habe ich vieles dazu gelernt. Und ich lerne jeden Tag neue Sachen dazu. Was mir bis dato gar nicht bewusst war, ist, dass ein Kind eine Geschichte, eine CD in einer Endlosschleife hören kann. Bis es fast auswendig kennt und Teile davon aufsagen kann. So war das bei uns mit Henriette Bimmelbahn, dem Grüffelo und „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“. “Heule Eule” hören wir ebenfalls ganz oft.

Ich als Mutter habe bei einem kleinen Kind glücklicherweise noch Mitspracherecht dabei, was es liest oder hört. Im Moment noch suche ich sogar aus, was meine Tochter zu hören oder vorgelesen bekommt. Es muss also zuerst vorrangig mir gefallen, was da stundenlang auf Repeat aus dem CD-Player kommt oder was ich ihr am Nachmittag oder abends vorlese. Die Aufgabe ist nicht leicht, zwischen allen Neuerscheinungen, Bilderbüchern und CDs und auch Kollegentips etwas Passendes auszuwählen. Das Kind liebt Barbapapa und Mickey Mouse, den kleinen König kann ich nicht ausstehen, Leo Lausemaus ist mir ein bisschen suspekt. Der Grüffelo hat inzwischen seinen Charme verloren, die kleine heule Eule finden wir beide toll. Im Moment trällern wir den ganzen Nachmittag Kinderlieder, was ganz viel Spaß macht, in einer Endlosschleife allerdings manchmal nervig ist, vor allem wenn Mama von Kopfschmerzen geplagt ist.

Wenn ich also auf der Suche nach gutem Vorlese- und Hörstoff für meine Tochter bin, bin ich nicht weniger anspruchsvoll, als wenn ich Bücher für mich aussuche. Auch wenn die Kriterien anders sind. Es muss uns beiden gefallen, im besten Fall. Der mixtvision Verlag mit seinen wunderschönen Bilderbüchern ist stets ein guter Ansprechpartner, wenn es um die Suche nach passenden Büchern geht.

Mein Nachbar liest ein BuchVor ein paar Wochen entdeckte ich ein wunderschönes Buch, das im mixtvision Verlag erschienen ist – „Mein Nachbar liest ein Buch“. Seitdem begeistert es meine Tochter und mich stets aufs Neue und wir bekommen nicht genug davon. Beide, glücklicherweise. Die kunstvollen und ansprechenden Illustrationen schauen wir uns oft an und wir erzählen uns die Geschichte gegenseitig. Allerdings finden meine Tochter und ich die beigelegte CD fast noch besser als das Buch selbst.

Mein Nachbar liest ein Buch_CDHier geht es um die alltäglichen Dinge im Leben, vor allem, wie man als Nachbarn friedlich miteinander leben und umgehen kann, ohne sich dauernd zu stören. All das wunderbar erzählt von Koen van Biesen, auf der CD gesprochen von Sascha Rotermund, untermalt mit Jazzmusik und Geräuschen, die die Phantasie des Kindes anregen. Ausserdem ist das kleine Kunstwerk eine Ode an das Lesen, an die Literatur, an das Buch selbst, somit ein schönes Geschenk für alle Literaturliebhaber, egal ob groß oder klein.

Schaut Euch das Buch bitte näher an, lest es, hört die CD! Es lohnt sich wirklich.

Klack Klack Klack

„Mein Nachbar liest ein Buch“ von Koen van Biesen, mixtvision Verlag, ISBN: 978-3-944572-09-3

Über Bilderbuch-Tips von Euch würde ich mich ebenfalls freuen. Habt Ihr Kinder? Was lest Ihr ihnen vor? Welche CDs, welche Geschichten hört Ihr mit Ihnen?

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[Gastrezension: Nanni] “Ehre” Elif Shafak

Lange ist es her, dass ich Euch “Ehre” von Elif Shafak vorgestellt hatte. Da über manche Bücher nicht genug gesprochen werden kann, möchte ich Euch heute gerne eine Gastrezension zum Roman anbieten. Vielen Dank, liebe Nanni, dass Du Deine Meinung zum Buch mit uns teilst und mir den wunderbaren Roman in Erinnerung rufst.

* * *

Elif Shafak_Ehre„Man konnte sein Kind ’Ehre’ nennen, sofern es ein Junge war. Männer besaßen Ehre. Greise, Männer mittleren Alters, ja selbst kleine Schuljungen, die noch nach der Milch ihrer Mutter rochen. Frauen besaßen keine Ehre, sie besaßen Scham. Und ’Scham’, das wusste jeder, wäre ein ziemlich schlechter Name.“

Es ist schon eine Weile her, dass ich diesen Roman gelesen habe, der in gleicher Weise wundervoll und doch bedrückend ist. Der mich mit Worten berührt, belastet und verzaubert. Worte, die sich in Gedanken verformen, die mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gehen, denn Autorin Elif Shafak spricht Themen an, die angesprochen werden sollten, und lässt ihre Charaktere eine Härte spüren, die sich dem Stil ihrer Sprache so sehr widersetzt, wie einige ihrer Protagonisten es gegenüber ihrem Schicksal versuchen.

„Niemand wusste es, doch tief in ihrem Herzen war Jamila bereits verheiratet – mit ihrem Schicksal.“

Schicksal ist eins der gewichtigen Themen im Roman. Ist der Lebensweg von vornherein bestimmt? Ist es einfacher diesen so hinzunehmen und zu ertragen oder versucht man besser dagegen anzukämpfen? Sein Glück selbst in die Hand nehmen, um nach Anstrengung und Not dann doch auf eben diesem vorgezeichneten Weg zu landen? Oder eben nicht? Wie weit wird dies beeinflusst von Familie, Kultur, Glauben?

„Er warf Gegenstände an die Wand vor lauter Hass auf die ganze Welt, die ihn in die Enge trieb und in der die Angst vor dem Schatten seines missbrauchenden Vaters nur darauf lauerte, ihm zu sagen, dass er ja letztlich nicht so anders sei als dieser.“

Es ist nicht nur ein Roman über Schicksal, sondern – wie der Name schon sagt – über Ehre und auch über Schuld und Vergebung. Alles Themen, die darauf basieren, dass sie für verschiedene Menschen, verschiedene Bedeutung haben. Ehre ist Auslegungssache. Was dem einen wichtig ist, ist für den anderen vielleicht unwichtig. Wieder eine Frage von Familie, Kultur, Glauben. Eine Frage, die zu Konflikten führen kann und die den Lebensweg einer Person so zeichnen kann, dass sie erst dadurch zu einer individuellen Persönlichkeit werden kann. Und letztendlich geht es allen doch gar nicht um so ganz große Dinge, sondern um Anerkennung und Zuneigung.

„Die Liebe war eine Krankheit, belebend und erhebend, aber eine Krankheit.“

„Ehre“, der neuste Roman der türkischen Schriftstellerin Elif Shafak ist ein besonderer Roman, der nicht nur berührt, sondern zugleich spannend und mitreißend ist. Die dunkle Seite im Menschen kommt zum Vorschein in dieser Geschichte, die sich über mehrere Generationen einer Familie hinzieht. Ein Buch, das sehr achtsam gelesen werden sollte, denn die Worte der Autorin sind sehr weise und gewichtig und finden fast alle im späteren Verlauf der Geschichte noch einmal Bedeutung. Man sieht sich immer zweimal im Leben. So hoffentlich auch ein weiterer Roman dieser sprachgewaltigen Autorin, deren Sätze ich regelrecht aufgesogen habe, und ich.

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[Gastrezension: Orisha] Emil Ostrovski “Wo ein bisschen Zeit ist …”

u1_978-3-8414-2160-9Als Jack 18 Jahre alt wird, kriegt er einen unerwarteten Anruf. Am Telefon ist Jess – seine Ex-Freundin, die ihm eröffnet im Krankenhaus zu liegen und gerade seinen Sohn zur Welt zu bringen. Perplex macht sich Jack auf ins Krankenhaus. Dort erfährt er, dass Jess ihren gemeinsamen Sohn weggeben will. Kurzerhand schnappt er sich seinen Sohnemann und fährt zu Tommy, seinen besten Freund. Gemeinsam machen sie sich auf einen Roadtrip der besonderen Art, um Jacks Großmutter Bob ein letztes Mal zu besuchen.

Ostrovski nimmt den Leser in “Wo ein bisschen Zeit ist …” mit auf Jacks Reise, die irgendwie eine typische Roadtrip-Geschichte ist und irgendwie auch wieder nicht. Beginnend bei den Protagonisten – drei Teenagern und ein Baby – kommt das Buch eher untypisch daher. Untypisch, weil vor allem Hauptprotagonist Jack nicht als typischer Teenager auftritt. Er scheint recht erwachsen für sein Alter und hat eine Schwäche für Philosophie. Daher tauft er seinen Sohn auch Sokrates und beginnt immer wieder imaginäre Zwiegespräche, um ihm die Welt zu erklären. Trotz seines jugendlichen Alters übernimmt Jack die Verantwortung für Sokrates und dient damit vielen als Rollenmodell. Auch die Dialoge zwischen Jack, Tommy und Exfreundin Jess sprühen vor Witz, Charme und jugendlichen Humor. Gespickt mit vielen popkulturellen Anekdoten – die von dem Zauberer von Oz, Per Anhalter durch die Galaxis bis hin zu Star Wars reichen – bietet das Buch ein Lesevergnügen. Mich hat es humoristisch, philosophisch sowie unterhalterich komplett abgeholt.

Fazit: Eine lohnenswerte, kurzweilige Lektüre. Empfehlenswert.

Emil Ostrovski “Wo ein bisschen Zeit ist …”, FJB, ISBN: 978-3-8414-2160-9

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Die Frankfurter Buchmesse 2014 und ich

Die Frankfurter Buchmesse 2014 gehört nun der Vergangenheit an und ich durfte an einem Tag in den Literaturwahnsinn eintauchen. Schön war es und ich hoffe, es war nicht das letzte Mal.

Ich möchte meinen Messefreitag mit Euch in ein paar Bildimpressionen teilen.

Eine der schönsten Verlagswerbungen:

Thiele VerlagJemand, den ich gerne nach Hause mitgenommen hätte:

MaulwurfEines der schönsten Bücher, die ich an der Messe in den Händen halten durfte:

Kleines großes Wunder unterwegsEine wunderbare Entdeckung, der Kunstanstifter Verlag:

Die Eule SiliEin Messestand, der leider leer war und ich Peter Koebel wieder nicht getroffen hatte:

michason & mayDie einzige Veranstaltung an der ich teilgenommen hatte: “Grenzgänger. Unterwegs in Russland und Georgien” mit der wunderbaren Nino Haratischwili zu ihrem Roman “Das achte Leben (Für Brilka)”

Nino HaratischwiliDer neue Messestand des Kein & Aber Verlages hat mir sehr gut gefallen:

Kein & Aber

Ich habe tolle Menschen getroffen, Bücher in die Hand genommen und reingelesen, geblättert, mich fremdgeschämt, viel gelacht, am DuMont Stand den wohl leckersten Kaffee auf der ganzen Messe angeboten bekommen, ihn leider nicht getrunken, am Diogenes Stand mit vielen Bloggern wenigsten kurz geplaudert, Pia Ziefle verpasst, ein Lächeln und ein “Hallo” von Jo Lendle kassiert, mit Peter Stamm zusammen gestoßen, am Hanser Stand Sekt getrunken und noch mehr gelacht.

Karen Koehler schenkt den Bloggern Sekt einAuf dem Bild Tilman und Karen Köhler.

Ich habe die wunderbaren Mädels (Simone, Sophie, Vera, Mara, Caterina – leider nicht auf dem Bild) getroffen, die mit mir zusammen die “Wir haben Raketen geangelt”-Blogtour organisiert haben. Eine Blogtour, die Karen und den Verlag begeistert hat.

Wir haben Raketen geangeltIch habe meine “Schwester” getroffen:

Dorota und AlexandraDer sehr ruhige und äußerst sympathische Tom Rachman hat für mich sein Buch signiert:

signiert Tom Rachman 2 Tom RachmanUnd hier mein Messehighlight. Ich und Reinhold Joppich. Ein wunderbarer Mann, noch  Vertriebschef des Kiepenheuer & Witsch Verlages, ein Mensch, der bald den Verlag verlässt, aber sicherlich in seinem Herzen und in seinem Leben die Literatur behalten wird.

Reinhold Joppich

Ich habe kaum Messegoodies mitgebracht, ich bin mit keiner großen, gelben Langenscheidt-Tasche unterwegs gewesen, ich habe keine Messehummel bekommen. Ich habe fünf Bücher nach Hause mitgebracht, keines geklaut und nur eines angefragt, ob ich es mitnehmen darf. Die anderen wurden mir in die Hand gedrückt.

Es war ein schöner Tag und ich danke allen, die dazu beigetragen haben.

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[Gastrezension: Orisha] Dinaw Mengestu – Unsere Namen

Mengestu Unsere Namen“Das Buch kreist um Fragen nach Herkunft, Identität und Ethnizität. Die dort geschilderte Zersplitterung betrifft nicht nur einzelne Menschen, sondern auch ganze Länder oder Kontinente.” – so wurde Mengestus Buch “Unsere Namen” beworben und ich wollte es lesen. Im Grunde geht es auch um Identität und vor allem auch Ethnizität und dennoch geht es um viel mehr, aber beginnen wir am Anfang.

Zwei Handlungsstränge: ein in Uganda und ein in den USA angesiedelt. In den USA trifft die Sozialarbeiterin Helen auf Isaac, ihren neuen Klienten. Obwohl sie kaum etwas über ihn weiß, beginnen beide eine Affäre. Ein mutiger Schritt, bedenkt man die rassistischen Tendenzen und die kleinbürgerliche Intoleranz mittelgroßer amerikanischer Städte in den 1960-70er Jahren.

In Uganda treffen wir auf Isaac und Langston. Zwei junge Männer, die in Kampala gestrandet sind und davon träumen, an der Universität zu studieren. Vor allem Langston wünscht sich Literatur zu studieren. Beide lernen sich auf dem Campus kennen und freunden sich an. Doch die Zeiten sind schwierig und so lassen die ersten Unruhen im Zuge der Unabhängigkeit Ugandas nicht lange auf sich warten. Beide geraten zwischen die Fronten, teils selbst provoziert, teils unschuldig. Vor allem Isaac scheint einen Plan zu verfolgen, will er doch für ein besseres Uganda kämpfen. Und das kann er, als er auf Joseph trifft, der beide unter seine Fittiche nimmt. Doch damit gelangen sie in Kreise, die einer Revolution sehr nahe stehen.

“Unsere Namen” ist die Geschichte von Isaac und Helen sowie von Isaac und Langston. Zwei ungleiche Paare auf zwei Kontinenten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mengestu fängt Ugandas Umbruch sehr gut ein. Die Anspannung in den Straßen Kampalas, die Unruhe, die Angst vor einem Militärschlag, dem nächsten Putsch, der nächsten Revolution ist greifbar. Isaac und Langston dienen Mengestu hier als Protagonisten, die es vermutlich zu Hauf in Kampala gab und vermutlich noch gibt. Von der Umbruchsstimmung getrieben, vom Streben nach einem besseren Leben, geraten sie ziemlich naiv in die Fänge jener, die strategisch versuchen, ihre Machtposition im Land auszubauen. Dass sie dabei vor Mord, Kindersoldaten und Gewalt nicht zurückschrecken ist leider Realität.

Auf der anderen Seite stehen Isaac und Helen, die sich dem Rassismus der 1960er Jahre im mittleren Westen der USA stellen müssen. Dabei versucht Helen immer wieder aus ihrem tristen Leben auszubrechen und zwingt Isaac und ihre Umwelt sich mit ihr auseinanderzusetzen. Dass sie dabei immer mal eine Grenze zu überschreiten scheint, ohne dass es dabei um das große Gute geht (die Bekämpfung des Rassismus), sondern selbstsüchtige Tendenzen aufzeigt, scheint Helen egal.

Obwohl die Charaktere gut gewählt sind, vor allem um die gesellschaftlichen Missstände auf beiden Kontinenten aufzuzeigen, und die Geschichte an sich spannend gehalten wird, blieben mir die Motive für bestimmte Handlungsweisen der drei Hauptprotagonisten verborgen. Vieles ist angerissen, angedeutet, aber letztlich nicht voll ausgebaut. Man bleibt als Leser etwas unzufrieden zurück, da sich mir eben nicht immer erschließt, was die Charaktere antreibt. In Bezug auf die gesellschaftlichen Hintergründe – oder man sollte wohl besser Abgründe sagen – punktet das Buch wiederum voll und ganz. Und auch sprachlich ist das Buch wunderbar umgesetzt.

Fazit: Ein gutes Buch, um sich mit den gesellschaftlichen Belangen der 1960er Jahre in den USA und in Uganda auseinanderzusetzen.

Dinaw Mengestu – Unsere Namen, Kein & Aber Verlag, ISBN: 978-3-0369-5702-9

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