“Die Regenbogentruppe” von Andrea Hirata
Hanser Berlin
ISBN: 978-3-446-24146-6
Es gibt viele Erfolgsgeschichten, die literarisch verarbeitet wurden. Eine davon ist im Januar in Hanser Berlin erschienen. “Die Regenbogentruppe” erzählt davon, wie ein indonesischer Junge aus armen Verhältnissen es schafft, seine Träume zu verwirklichen.
Die Geschichte von Andrea Hirata und seinen Schulfreunden aus Belitung in Indonesien hat mich aus zwei Gründen bewegt. Ich habe einen persönlichen Bezug zu Indonesien. Ich war schon zweimal dort und hatte die Armut mit eigenen Augen gesehen. Denn ich habe nicht nur die Touristengegenden besichtigt, sondern auch die Einheimischen besuchen dürfen. Ich weiß, was es bedeutet, Träume zu haben, sie aber aus Armut nicht verfolgen zu können.
Als Lehrerin, die auch lebend gerne unterrichtet hatte, war es für mich äußerst interessant, über Pak Harfan und Bu Mus zu lesen, beide Lehrer aus Leidenschaft, die an das Noble im Beruf glaubten, die mit aller Macht und all ihren Kräften darum kämpften, ihre Schüler unterrichten zu dürfen, ihnen Bildung zu vermitteln, sie mit Wissbegierde anzustecken.
“Schule bedeutete für ihn Wert und Würde, gelebte Menschlichkeit, sie war Lust am Lernen und Bildung. Das war Pak Harfans Verständnis von Erziehung. Doch das alles konnte nicht zu den Kindern durchdringen, die infolge der Diskriminierung ihr Selbstwertgefühl bereits verloren hatten und durch materielle Dinge verblendet waren.”
Hirata zeigt am Beispiel der Regenbogentruppe, was es bedeutet, arm und gleichzeitig klug und intelligent zu sein. Viele der armen Kinder dürfen nicht lernen, studieren, weil sie arbeiten müssen, um die Familie zu ernähren. Diejenigen, die zur Schule gehen, müssen viele Hürden nehmen. Hirata erzählt beispielsweise von einem Freund, der mit dem Fahrrad 80 km am Tag zurücklegen musste, um am Unterricht teilnehmen zu können. Als sein Fahrrad kaputt ging, bestritt er den Schulweg zu Fuß. Auch das Klassenzimmer ließ zu wünschen übrig.
“Stellt euch einfach alle Widerwärtigkeiten vor, die einer Klasse widerfahren können: ein Dach mit solchen Löchern, dass man im Unterricht die vorüberfliegenden Flugzeuge sehen konnte und Schirme aufspannen musste, wenn es regnete. Ein zu Sand zerbröselter Zementboden, Stürme, bei denen wir fürchten mussten, dass jeden Moment das Schulgebäude über uns zusammenbrechen würde. Und bockige Ziegen, die man morgens aus dem Klassenraum vertreiben musste. Alles das war für uns an der Tagesordnung.”
Andrea Hirata gibt in seinem biographischen Roman einen Einblick in die indonesische Kultur. Manches ist herzzerreißend, einige Episoden sind sehr schön oder unglaublich, andere lustig und mystisch. Der Autor erzählt mit viel Humor und gewisser Melancholie und schreibt über Träume, Liebe und wunderbare Freundschaften. Er schenkt dem Leser wohlige, intensive, auch spannende Lesestunden und regt zum Nachdenken über das eigene Leben an. Das sind auch die Gründe, warum ich Euch “Die Regenbogentruppe” vom Herzen empfehlen möchte. Der Schicksal dieser Jugendlichen wird Euch berühren.
“Die heutige Erziehungssystem sieht Schule nicht mehr, wie sie Pak Harfan sah, der davon überzeugt war, dass Wissen einen Wert an sich darstellt, dass unsere Erziehung eine Pflicht ist, die wir dem Schöpfer gegenüber schuldig sind. Und dass Schule nicht immer mit dem Ziel verbunden sein darf, Titel zu erwerben, Geld zu verdienen und reich zu werden. Vielmehr soll Schule Freude am Lernen schaffen, das Licht der Zivilisation verbreiten, zu Würde und Selbstachtung führen, die Werte der Humanität vermitteln. Aber Schule ist heutzutage nicht mehr der Ort, den Charakter zu bilden, sondern ein Element des kapitalistischen Systems, das darauf ausgerichtet ist, Reichtum und Macht zu erwerben.”
* John Lennon


“Die fliegenden Bücher des Mister Morris Lessmore” Illustrationen von William Joyce, Joe Bluhm, übersetzt von Hardy Krüger jr.
Sehr schön wurde der Film von William Joyce im Bilderbuch umgesetzt, aber ich muss gestehen, dass mich der Film mehr überzeugt, mich mehr bewegt und mein Herz mehr berührt als das Buch. Denn er lebt von all den herausragenden Bildern, die im Buch leider keinen Platz bekomen haben. Nichtsdestotrotz freue ich mich sehr, das wunderschön gestaltete Buch zu haben und ich hoffe, es wird auch eines Tages meiner Tochter gefallen.
Chris Cleave habe ich dank seinem Roman
“Meine Eltern haben mir jede Menge Märchen erzählt und mit mir Kinderreime geübt. Die Märchen haben mir gefallen, weil sie immer ein gutes Ende haben, und die Kinderreime, weil dort alles auf dem Kopf steht und trotzdem alle zufrieden sind. Was ist das für eine Kindheit, wenn man ohne Märchen und Kinderreime aufwächst?”





Unter dem Motto “Blog den Welttag des Buches – 

Elisabeth Rank erzählt in ihrem Roman
“Jakobs Mantel” von Eva Weaver
“Und über allem diese gleichgültige, schreckliche Sonne: Wie konnte sie es wagen, vom Himmel zu brennen, meine Haut zu bräunen und mir die Knochen zu wärmen, nachdem man meine Mutter in einen Viehwagon verfrachtet hat? In der Sommerhitze hatten sie die Menschen weggeschafft. Warum waren sie im Sommer gekommen? Da waren die Tage länger, da konnten sie effektiver arbeiten, und Effizienz war alles für die Deutschen. Wo bist du, Mama?”


