[Verlosung] “Bücher sind treu”

Atlantik heißt der neue Verlag aus Hamburg, “in dem gut erzählte Romane, populäre Sachbücher, schöne Anthologien und Geschenkbücher erscheinen”. Atlantik ist die Tochter des Hoffmann und Campe Verlages. Auf der Suche nach neuen Freunden schrieb der Verlag einige Literaturblogger an und stellte sich vor. Dem netten Brief lagen auch Geschenke bei. Viele denken jetzt vielleicht – „ach, das ist doch nur Werbung“. Und auch wenn es tatsächlich Werbung ist, finde ich sie sehr gelungen. Das Buchtagebuch und die Tasche sind liebevoll gestaltet und ich freue mich, sie mein eigen nennen zu dürfen. Herzlichen Dank dafür auch an dieser Stelle!

Buecher sind treuIch hatte bereits das Glück, zwei Bücher aus dem Atlantik Verlag zu lesen. Ich nenne es tatsächlich Glück, weil mir beide Romane wahnsinnig gut gefallen haben. Sowohl „Das Leben ist ein listiger Kater“ und „Baba Jaga“ will ich Euch somit ans Herz legen.

Atlantik_Buecher
Ich würde gerne meine Freude mit Euch teilen und unter allen Interessenten drei Büchertaschen verlosen. Schreibt mir in Euren Kommentaren bis zum 4. April, welches Buch aus dem Atlantik Verlag Euch am besten gefällt oder welches Ihr am liebsten lesen würdet. Eine Übersicht der Bücher aus dem ersten Programm findet Ihr hier.

BuechertascheAußerdem habe ich noch eine kleine Überraschung. Für ein eBook Eurer Wahl aus dem Atlantik Verlag suche ich eine Gastrezensentin oder einen Gastrezensenten. Wenn Ihr Interesse daran habt, ein Atlantik-Buch auf Eurem Reader zu lesen und für www.bibliophilin.de zu rezensieren, schreibt das doch in Eurem Kommentar. Wenn sich mehrere für eine Gastrezension interessieren, werde ich auslosen.

Ich freue mich auf Eure Kommentare und wünsche Euch viel Glück bei der Verlosung!

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“Der See” von Banana Yoshimoto

Der See_Yoshimoto“Für uns existierte die Zeit nicht. Wir waren vom Rest der Welt isoliert. Ich hatte das Gefühl, als wären wir vollkommen aus der Zeit gefallen, alterslos.” (S. 25)

Banana Yoshimoto versetzt mich mit ihren Geschichten stets in eine andere Welt, in der es leicht ist, in der Schnelllebigkeit des Alltags innezuhalten. Seit der ersten Zeile, der ersten Seite umgibt mich eine angenehme Stille und ich werde mit Magie und dem Schönheit des Augenblicks beschenkt.

Auch von „Der See“ habe ich mich verzaubern lassen, obwohl die Geheimnisse der Protagonisten, um die sich die Geschichte dreht, alles andere als schön sind. Dennoch ist es für mich, wenn ich Yoshimotos Roman lese, als würde ich ein Märchen für Erwachsene lesen. Ein Märchen über Andersartigkeit und Verletzlichkeit und eines, das zeigt, dass wir nicht perfekt sind und es auch nicht sein müssen.

Yoshimoto

Yoshimotos Bücher sind wie Lebensabschnittsgefährte, die mich ein kurzes Stück meines Lebens begleiten und mich zum Nachdenken anregen. Sie sind wie angenehme Besucher, die mein Leben mit einer schönen, oft sehr zärtlichen, Geschichte bereichern. Und obwohl sie nicht mein Leben verändern, so lasse ich mich gerne in die Geschichten hineinziehen, um nach einigen Stunden – ein bisschen erstaunt, ein bisschen ausgeruht – wieder am Leben teilzunehmen.

“Es war so schön, dass es schmerzte – wie wenn man trauert. Wie wenn man plötzlich die Dinge in einem großen Zusammenhang sieht und sich dessen bewusst wird, wie flüchtig doch unser Leben auf Erden ist.” (S. 151)

“Der See” von Banana Yoshimoto, Diogenes Verlag, ISBN: 978-3-257-06897-9

 

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[Gastrezension] “Echolot” von Karin Richner

Indiebookday_2014

Heute, am Indiebookday 2014, möchte ich Euch gerne eine Gastrezension präsentieren, die Euch dazu einladen soll, in die Buchhandlung Eures Vertrauens zu gehen und das Buch zu kaufen. Es ist ein kleines, stilles Buch mit großer Wirkung, das nicht nur mir, sondern auch der Gastrezensentin Franziska gefallen hat.

Ich freue mich sehr, Euch heute auf Karin Richner aufmerksam machen zu dürfen, die mich bereits mit ihrem Roman “Sieben Jahre Schlaf” begeistert hat. Und gleichzeitig den feinen bilgerverlag zu nennen, der literarische Perlen herausbringt.

HAPPY INDIEBOOKDAY!

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Karin-Richner-Echolot

Als ich von der Bibliophilin erfuhr, dass im Schweizer bilgerverlag ein neues Büchlein von Karin Richner erschienen ist, war ich sofort neugierig. Noch stets erinnere ich mich an ein ganz besonderes Gefühl, das ihr Debüt “sind keine seepferdchen” einst bei mir hinterlassen hat. Umso erfreuter war ich, als die Bibliophilin mich fragte “Echolot“, das neueste Werk von Richner, zu rezensieren. Es ist ebenso wie seine Vorgänger im bilgerverlag erschienen – ein kleiner Verlag, der hoffentlich durch den Indiebookday am 22.3. mal ein wenig mehr im Rampenlicht stehen wird.

Nils ist verschwunden. Schon öfter war er mal für einige Zeit weg, ohne zu sagen, wohin er geht und wann er zurückkommt. Bisher war er aber immer wieder aufgetaucht. Dieses Mal scheint es anders. Das spüren auch seine Kinder Ruben und Johanna, denen Saskia gesagt hat, dass Nils verreist ist. Aber wer verreist so lang ohne mal anzurufen oder zu sagen, wann er wiederkommt.
Als Saskia es nicht mehr aushält, sucht sie Nils Mutter auf. Nils hat ein Glasauge, wollte jedoch nie mit Saskia darüber reden, was damals ins seiner Kindheit passiert ist. Liegt darin der Schlüssel zu seinem Verschwinden?
Seine Mutter zeichnet ein Bild einer Kindheit voller Sonnenstrahlen und schöner kleiner Erlebnisse. Doch zwischen den Zeilen spürt man Einsamkeit hindurch scheinen und die Angst, dass der Mutter der Sohn entgleitet. Nur was ist genau damals passiert?

Karin Richner zeichnet mit poetischen Worten ein sanftes Bild einer unschuldigen Kindheit, die von einem großen Schatten überlagert wird. Sie wählt dabei stets zarte Worte und sanfte Formulierungen und dennoch spürt der Leser eine Enge in seiner Brust, eine Schwere, die sich auf den letzten Seiten mit einer trotz allem unerwarteten Wucht zu einem tragischen Unglück auswächst. Zurück bleiben Schrecken und Ratlosigkeit.

Ähnlich wie in ihrem Debütroman “sind keine seepferdchen” geht es um Einsamkeit, die Suche nach Liebe, Kindheit, und die Angst davor etwas zu verlieren. Es gelingt Richner in “Echolot” erneut beinah zauberhaft und behutsam zu beschreiben und dabei nie anklagend zu wirken. Es ist ein kleines Büchlein, das leise Gefühle sichtbar macht und ein unfassbares Unglück nicht versucht zu begreifen, sondern beobachtet, wie einsam jeder Einzelne mit seinen Ängsten ist. Richner zeichnet ihre Figuren mit einfühlsamen Worten und dennoch spüren wir auf jeder Seite, wie wenig sie sich öffnen können und statt dessen alles in einem großen Schweigen ertränken.

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“Echolot” von Karin Richner, ISBN 978-3-03762-039-7, 156 Seiten, broschiert, fleurs de benbil IX XIII, bilgerverlag

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Weitere Tipps:

We read indie

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Welche Bücher aus Indie-Verlagen habt Ihr heute gekauft? ;-)

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Indiebookday 2014

Indiebookday_2014

Liebe Leser,

was sind wir aufgeregt! Am Samstag ist es wieder so weit: Der vom mairisch Verlag initiierte Indiebookday findet zum zweiten Mal statt, und alle Liebhaber des besonderen Buches sind aufgerufen, mitzufeiern. Wie das geht? Ganz einfach: Sucht den Buchhändler Eures Vertrauens auf (gute Online-Alternative: ocelot.de), kauft ein oder am besten gleich mehrere Bücher aus Indie-Verlagen und postet ein Foto davon auf Facebook, Twitter & Co., damit auch andere auf die Aktion aufmerksam werden. So macht Ihr nicht nur Euch selbst glücklich, sondern auch die Buchhändler und vor allem die Verlage, deren fabelhafte Programme viele, viele Leser verdient haben. Als Inspiration haben wir gemeinsam mit unseren Gastrezensenten ein paar ausgewählte Titel für Euch zusammengestellt. Viel Freude beim Stöbern, Shoppen und Lesen! (Ein Klick auf “we read indie” genügt :-) )

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Eine dringende Kauf-, Lese- und Verschenkempfehlung!

Es es gibt Bücher, die die perfekten Voraussetzungen erfüllen, um ein Herzensbuch zu werden.

Sie erscheinen in einem guten Verlag, der spannende Bücher verlegt. Sie sehen optisch wunderschön aus, sodass man sie nur aufgrund des Covers in den Händen halten will.

Selja AhavaSie haben einen abgefahrenen und interessanten Titel, der neugierig auf den Inhalt macht.

Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm

Sie sind in poetischer, schöner und ansprechender Sprache geschrieben. Sie erzählen eine wunderbare Geschichte, die berührt und die das Herz erwärmt.

Das sind Bücher, die das Leben bereichern und die den Leser sein Leben lang begleiten werden. Das sind Bücher die man kaufen, lesen und verschenken sollte.

Ich bin immer dankbar, solche Bücher zu finden.
Und ich bin sehr glücklich, sie Euch empfehlen zu dürfen.

Lest “Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm” von Selja Ahava! Ihr werdet es nicht bereuen. Denn hier stimmt einfach alles.

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Selja Ahava, “Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm“, ISBN 978-3-86648-182-4, Mare Verlag

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Bibliophilin sucht Dich!

Liebe Leser und Bücherfreunde,

damit auf dem Blog ständig neue Rezensionen erscheinen können, suche ich Gastrezensenten. Diesmal für diese drei Romane: Helene Hegemann “Jage zwei Tiger”,
“Dorf der Idioten” von Max Monnehay und “Ein Mann von Welt” von Antoine Wilson.

Wenn Ihr Interesse habt, eines der Bücher zu lesen und zu rezensieren, schreibt unter diesem Beitrag (oder auf meiner Facebook-Seite) einen Kommentar, welches Buch und warum Ihr gerne lesen würdet. Sollten sich mehrere für das selbe Buch interessieren, werde ich am Montag (10.03.) auslosen. Über Beteiligung der zukünftigen Gastrezensentin oder des zukünftigen Gastrezensenten an den Versandkosten würde ich mich sehr freuen. Bitte schreibt ebenfalls in Eurem Kommentar, ob Ihr mit der Übernahme des Portos einverstanden seid. Ich spendiere den Umschlag und das Buch :-)

Rezensionsexemplare

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[Gastrezension] Torsten Schulz – Nilowsky

9783608939712Torsten Schulz – Nilowsky
Klett-Cotta Verlag
ISBN: 978-3-608-93971-2

Der Autor Torsten Schulz hat zu seinem Roman “Nilowsky” eine Bemerkung gemacht, die mir zu denken gegeben hat: er hätte sich immer einen Bruder gewünscht und sich daher die Figur Reiner Nilowsky erschaffen. Okay, ich hätte auch gerne eine Schwester gehabt, aber keine ewig betrunkene ordinäre Schlampe. So würde man Nilowsky nämlich beschreiben, wenn er eine Frau wäre. Auf den ersten Blick jedenfalls.

Reiner Nilowsky wohnt mit seinem Vater über dessen Kneipe, dem “Bahndamm-Eck”, in einer üblen Gegend im Ostberlin der 70er Jahre, direkt an den Bahngleisen in der unmittelbaren Nähe einer Chemiefabrik.
Nilowsky ist ein typisches Opfer der Unterschicht und wohl auch ein Opfer seiner Familie. Er würde gerne eine richtige Ausbildung machen, stattdessen muss er im “Bahndamm-Eck” helfen. Der Vater ist regelmäßig betrunken und verprügelt ebenso regelmäßig seinen Sohn. Die Mutter starb an Krebs und so ist Nilowsky mit der harten Hand des Vaters aufgewachsen. Alkohol konsumieren ist für ihn normal und alltäglich.
Er scheint keine großen Erwartungen mehr an das Leben zu haben und hat einen Schutzwall aus einerseits derben und ordinären, andererseits altklugen und wichtigtuerischen Sprüchen um sich herum aufgebaut. Er wiederholt sich ständig und doch weiß man nie so richtig, woran man bei ihm ist. Allerdings wirkt er durch seine Sprache auch etwas dümmlich.

Nilowskys Gegenpol ist Markus Bäcker, der mit seinen Eltern vom Prenzlauer Berg in Nilowskys Nachbarschaft zieht. Markus’ Vater hat dort einen Chefposten in der Chemiefabrik bekommen. Markus ist alles andere als begeistert über seinen neuen Wohnort und bei ihm und Nilowsky treffen zwei Welten aufeinander.
Markus kommt aus einer gutbürgerlichen Familie, genießt die Aufmerksamkeit und Fürsorge seiner Eltern und wird seinen Werdegang selbst bestimmen können. Für Markus ist das alles selbstverständlich, für Nilowsky unbekannt.
Trotzdem freunden sich die beiden an und Markus ist einerseits fasziniert, andererseits abgestoßen. Sein Problem ist allerdings auch, dass er nicht als Schwächling dastehen will und daher jeden Blödsinn mitmacht, den Nilowsky sich ausdenkt – auch wenn es bisweilen nicht ungefährlich ist.

Nilowsky bemüht sich um Markus, zeigt ihm die Gegend und seine Lieblingsplätze und stellt ihn seinen Freunden vor (den Mozambiquanern, die als Gastarbeiter in der Chemiefabrik angestellt sind, diversen alten Damen aus der Nachbarschaft, seiner Freundin Carola und seiner Oma).
Und hier lernt man einen anderen Nilowsky kennen. Einen Nilowsky, der sich rührend um seine alte Großmutter kümmert, absolut loyal, offen und ehrlich seinen Freunden gegenüber und einfach ein herzensguter Mensch ist.
Markus dagegen nimmt es mit der Ehrlichkeit manchmal nicht ganz so genau und verliebt sich auch noch in Carola. Trotzdem ist er jedes mal sofort zur Stelle, wenn Nilowsky ihn ruft, und das über viele, viele Jahre hinweg.

Dies ist ein toller Roman über Freundschaft, Loyalität, Verantwortung, Verzweiflung, Hoffnung und Liebe und darüber, dass der erste Eindruck nicht unbedingt der richtige ist.

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Herzlichen Dank für Deine Gastrezension, Kerstin!

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„Ich wollte der Mittelpunkt der Welt werden, doch dann musste ich akzeptieren, dass ich nur eine von vielen Figuren in einer Geschichte war, und nicht mal eine Hauptfigur.“*

Seit über vier Jahren erzähle ich Euch in meinem Blog von Büchern, die ich gelesen habe, die mir gefallen, die mich berührt und beeindruckt haben. Ich bin keine Literaturkritikerin. Ich schreibe keine Rezensionen, die bezahlt werden. Ich habe keine Lektoren, die meine Texte lesen und korrigieren. Deutsch ist für mich eine Fremdsprache, in der ich versuche, die passenden Worte zu finden, um Euch zu erzählen, was mir an den Büchern gefällt. Inzwischen haben sich viele der Wörter, die in den Rezensionen benutzt werden, ausgenutzt. Viele schreiben ähnlich, verwenden die gleichen Begriffe und Wendungen, um etwas zu beschreiben. Sie erzählen vom Inhalt, fassen ihn kurz oder lang zusammen. Ich sehe schon seit langer Zeit davon ab. Denn der Verlag beschreibt den Inhalt, das Geschehen, meistens sehr gut auf der eigenen Homepage. Das soll den Leser animieren, das Buch zu lesen. Ihn neugierig machen. Mir reicht das vollkommen. Ich will nicht die Geschichte nacherzählen. Dafür fehlt mir die Zeit, aber auch die Motivation. Denn ich finde es besser, dass jeder das erwähnte Buch selbst liest, anstatt lange Rezensionen dazu zu lesen. Mir ist schon oft passiert, dass ich nach einer gelesenen Rezension keine Lust mehr auf ein Buch hatte, weil es sehr ausführlich beschrieben wurde. Es gibt so viele Bücher, so viel Neues zu entdecken. Da möchte ich lieber etwas lesen, was mich neugierig macht, wovon ich nicht schon so vieles weiß.
Deswegen präsentiere ich Euch hier nur meine kleinen persönlichen Eindrücke zu einem Buch. Ich kann nicht mit langen und ausführlichen Rezensionen dienen. Wer meinen Blog liest, bekommt von mir eine Zusammenfassung meiner Gedanken zum Buch, meiner Gefühle, die ein Buch bei mir hervorgerufen hat. Nur so kann ich als Vollzeitmama, Teilzeitbuchhändlerin und Teilzeitleserin, Ehe- und Hausfrau es gewährleisten, Euch ein Buch zu empfehlen.

Alle, die meine Meinung interessiert, sind hier herzlich willkommen und eingeladen, zu bleiben und zu stöbern. Alle anderen finden im Netz Hunderte von Blogs, die mehr und öfters schreiben, die eloquenter sind und poetischer ihre Sätze formulieren können.

Ich freue mich über jeden Besuch, jeden Leser und bedanke mich vom Herzen für jede Minute Eurer Aufmerksamkeit, in der Ihr gezeigt habt, dass Euch meine Meinung interessiert.

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Elif Shafak_Ehre„Es gab immer zwei Seiten, und nur zwei. Gewinnen oder verlieren. Würde oder Schande. Und wer die falsche erwischte, konnte nicht auf Trost hoffen.
Es liege daran, dass Frauen aus ganz hellem Batist gemacht seien, (…) Männer dagegen aus dickem, dunklem Stoff. So hatte Gott beide geschneidert: den einen der anderen überlegen. Warum Er es so gemacht hatte – diese Frage zu stellen war nicht Sache der Menschen. Wichtig war nur, dass man auf Farbe Schwarz keinen Schmutz sah, während die Farbe Weiß noch das kleinste Staubkörnchen erkennen ließ. Deshalb wurden befleckte Frauen sofort entdeckt und von den anderen getrennt, wie man die Spelze vom Korn entfernt. Gab sich eine Jungfrau einem Mann hin – und sei es der Mann, den sie liebte –, hatte sie alles zu verlieren, er dagegen nichts.“ (30)

Ein wunderbarer Roman hat mich in den letzten Wochen begleitet und mir wieder gezeigt hat, dass man die Suche nach den wahren literarischen Perlen nicht aufgeben darf. Ich lese gerne Bücher parallel. Nur wenn mich ein Buch vollkommen gefangen nimmt, widme ich mich ausschließlich diesem einen bestimmten Roman, damit meine Aufmerksamkeit nicht von anderen Geschichten gestört wird. Ich habe alle angefangenen Bücher zur Seite gelegt, um „Ehre“ von Elif Shafak, die sich zu meiner Lieblingsautorin entwickelt, zu lesen. Nach „Der Bastard von Istanbul“ und „Die vierzig Geheimnisse der Liebe“ überzeugte mich die Autorin aufs Neue, dass sie hervorragende Bücher schreiben kann. In meinen Augen ist „Ehre“ perfekt. Jede Seite besticht durch ihre Intensität. Die Autorin fordert den Leser durch die nichtchronologisch erzählte Geschichte und verschiedene Perspektiven heraus. Die Geschichte, die sie erzählt, ist voller überraschender Wendungen und Geheimnisse, die, einmal aufgeklärt, sehr schnell einen Sinn ergeben.

Die Themen, mit denen sich Shafak in ihrem Roman beschäftigt, sind vielfältig und versetzen mich in Angst und Staunen. Die Autorin zeigt in ihrem Buch große Unterschiede zwischen den Kulturen, beschreibt berührende Schicksale, stellt Menschen vor, die mit ihrer Herkunft zu kämpfen haben, nachdem sie in einem fremden Land leben, von dem sie sich ein besseres Leben erhofft haben. Iskendar, Esme, Yunus, Adem, Pembe, Jamila sind allesamt starke und komplexe Charaktere, die in ihren Welten gehalten sind, aus denen sie nicht auszubrechen vermögen. Um die Ehre der Familie zu verteidigen fühlen sich manche gezwungen, gewalttätig zu werden.

„Ich liebe sie ja auch, aber das heißt nicht, dass ich sie respektiere. Liebe und Respekt sind zwei völlig verschiedene Dinge. Wenn deine Eltern Fehler machen, musst du ihnen entgegentreten.“ (349)

Scham, Mitleid, Schuldgefühle begleiten mich beim Lesen. Ich finde es schrecklich, dass Menschen nicht friedlich miteinander leben können. Dass Liebe für viele ein Fremdwort ist.

„Männer besaßen Ehre. (…) Frauen besaßen keine Ehre, sie besaßen Scham.“ (30-31)

Zwischen den Zeilen ist stets die Frage nach der Schuld präsent. Wird der Mensch durch Erziehung und die Lebensumstände zu dem, was er ist? Wie wichtig dabei ist die eigene Herkunft? Wird man bereits als schlechter Mensch geboren? Diese und viele anderen Fragen wirft Shafak in den Raum und lädt den Leser dazu ein, sich selbst eine Meinung zu bilden.

„Kamen die Menschen rechtschaffen zur Welt und wurden dann schlecht? Oder geriet schon bei der Empfängnis die Saat des Bösen in sie? Im Koran stand, wir alle seien aus einem Blutklumpen erschaffen. Wie viel von unserem gegenwärtigen Ich war in diesen Klumpen vorgegeben, fragte sich Jamila. Jede Perle, so rein und vollkommen, hatte sich aus einem Sandkorn entwickelt, das zufällig in die Austernschale eingedrungen war – wenn es denn Zufälle gab. Auch aus einem schlechten Samen konnte etwas Erlesenes werden. Doch hin und wieder vermehrte sich auch eine winzig kleine Menge Böses immer weiter.“ (291)

Ich verehre Elif Shafak für ihre Beobachtungsgabe. Mit Sätzen scharf wie ein Messer erzählt sie so spannend, dass man den Atem anhält. Sie weiß, wie sie den Leser gefangen nehmen und halten kann. Man will ihrer Erzählung lauschen, sich immer wieder in eine warme Decke einkuscheln, weil man beim Lesen aus Mitgefühl für die erschütternden und herzzerreißenden Schicksale fröstelt. „Ehre“ ist kein Buch für Zwischendurch. „Ehre“ verdient die ganze Aufmerksamkeit des Lesers.

Meine uneingeschränkte Kauf- und Leseempfehlung!

„Ich wollte der Mittelpunkt der Welt werden, doch dann musste ich akzeptieren, dass ich nur eine von vielen Figuren in einer Geschichte war, und nicht mal eine Hauptfigur.“ (505)

* “Ehre” von Elif Shafak, Kein & Aber Verlag, ISBN: 978-3-0369-5676-3

Ehre_Elif Shafak

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[Gastrezension] “In der Nacht” von Dennis Lehane

Facettenreich, klug und interessant ist der bereits letztes Jahr in dem von mir geschätzten Diogenes Verlag erschienene Roman “In der Nacht” von Dennis Lehane. Ich habe ihn wahnsinnig gerne gelesen. Meine Freude am Buch habe ich mit Franziska geteilt, die das Buch ebenfalls gelesen und genau wie ich für gut befunden hat. Ihr Meinung darf ich Euch heute präsentieren. Vielen Dank dafür!

In der Nacht_LehaneInhalt:

Und plötzlich kam ihm der Gedanke, dass alles Bemerkenswerte in seinem Leben – im positiven wie im negativen Sinne – seinen Anfang an jenem Morgen genommen hatte, als er das erste Mal mit Emma Gould zusammentraf.« Und von diesem Moment an, bis sich Joe Coughlin auf einem Schiff im Golf von Mexiko wiederfindet, die Füße in einem Zementblock, wird alles, was er tut, für Emma sein. Aus dem Boston der zwanziger Jahre, aus einem Wirbel von Liebe und Gewalt, Hass und Rache führt Joes Weg in den Süden Amerikas und bis nach Kuba. Angetrieben von der Liebe zu einer Frau, wird er vom kleinen Handlanger zum mächtigsten Rum-Schmuggler seiner Zeit.Amerika während der Prohibition. Joe Coughlin, ein kleiner Handlanger des Syndikats in Boston, steigt in Florida zum mächtigsten Rum-Schmuggler seiner Zeit auf. Und setzt sein Leben aufs Spiel aus Liebe zu einer Frau. Ein atemloses, literarisches Gangster-Epos.

“Konfrontiert mit einem so klaren Beweis des  Jenseitigen, spürte er, dass er unbedeutend und sterblich war wie alle anderen, dass bereits der Tag seiner Geburt nicht mehr als der Anfang vom Ende gewesen war.” (S.97)

Joe Coughlin wird mit vielem konfrontiert – nicht nur mit dem Tod. Als Kleinkrimineller in Boston versucht er sich einen Namen zu machen. Das funktioniert mehr schlecht als recht, denn viele andere wollen auch mehr zu Sagen haben. Joe ist die Hauptfigur einer Gangsterwelt, die mich fortan gefesselt hat. Sein Witz, sein Charme und seine tiefsinnigen Gedanken sind nur einige Gründe, die diese Figur für mich zu einem Jahreshighlight machen – und das erst im Januar 2014.

Dennis Lehane kannte ich bis dato nur als den Mann, der das Buch zu “Shutter Island” geschrieben hat. Ich wusste gar nicht, dass mir so viel entgangen ist. Es ist die Art wie Dennis Lehane erzählt, mit einem Auge für Kleinigkeiten und das ganze Große. Immer wieder wird Joe zusammen mit neuen Protagonisten in ein neues Abenteuer verwickelt. Ruhe ist in diesem Roman ein Wort, das nicht vorkommt. Immer wieder wird Joe in aberwitzige Überfälle und Schmuggelaktionen hineingezogen. Mal freiwillig, weil er weiß, dass es ihn reicher macht, mal eher unfreiwillig, weil da jemand noch eine Rechnung offen hat.

Meist bin ich nicht für irgendwelche Gangster Epen: “Der Pate” muss nicht unbedingt sein und auch andere Mafiabücher haben mich nicht gefesselt. Wenn ich Gründe aufzählen müsste, warum ich dieses Buch mochte, dann einen, der mit dem obigen Zitat zu tun hat: Joe lebt die ganze Zeit im Jetzt! Er ist kein Gangster, der sich Gedanken über das Aufhören macht, der jammert und Angst hat. Er lebt in jedem Augenblick und das mit seinem ganzen Herzen, denn das vermittelt Lehane auch: Der größte Gangster hat in gewisser Weise ein Herz. Das sieht der Leser  auch hier nicht immer, aber dann gibt es einen Augenblick und Joe ist einfach nur Mensch.

“Je öfter Joe es sagte, desto sicherer wusste er, dass sie nicht mehr am Leben war. Er spürte es genauso untrüglich, wie er gespürt hatte, dass sie ihn liebte, auch wenn sie mit einem anderen Mann ins Bett gegangen war.” (S. 138)

Joe ist manchmal ein Trottel, das passt vor allem seinem Vater nicht, der immerhin Polizist ist. Und gerade deswegen frage ich mich immer wieder beim Lesen: Wie kann so jemand abrutschen in die Nacht? Die Nacht, die die Gangster lieben und in der man Ärger bekommt, wenn man sie Kleinkriminelle nennt?

“Wir sind süchtig danach.” “Wonach? Nach der Nacht – sie ist unwiderstehlich. Wer sich für den Tag entscheidet, der muss nach ihren Regeln spielen. Darum haben wir uns für die Nacht entschieden und spielen nach unseren eigenen. Das Dumme ist nur, wir haben im Grunde keine Regeln.” (S.528)

Die Nacht ist es, die der Autor immer wieder schillern lässt, das ist die Welt der Gangster. Durch seine Wortwahl und seine prall gefüllten Sätze, ist es so, als ob der Leser mit dabei wäre in schwülen Nächten und aufregenden Bars im Untergrund.

Lehane schafft es mich auf 583 Seiten zu fesseln. Ich habe mitgelitten, mitgefiebert und mitgelacht, wenn sie ihre Späßchen machten. Ich wollte nicht, dass irgendeine Figur in diesem Roman stirbt. Sie sollten alle ein  Happy End bekommen. Und das es dann nicht so gekommen ist, ist fast eine Erlösung, denn es macht diesen Roman perfekt.

Ich empfehle ihn gerne weiter, an alle, die gerne Gangster Geschichten lesen oder einen wirklich guten Roman lesen wollen. Von mir gibt es 5 Bücherpunkte/Sterne.

In der Nacht_Dennis Lehane“In der Nacht” von Dennis Lehane, Diogenes Verlag, 2013, ISBN: 978-3-257-06872-6

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[Gastrezension] “Der Duft des Sussita”

HB_Scheer_24029_MR.inddRobert Scheer – “Der Duft des Sussita”
ISBN 978-3-446-24029-2
Hanser Berlin

Sussita? Nie gehört, nie gesehen. Was ist das? So ähnlich waren meine ersten Gedanken zu diesem Buch. Also flugs Google bemüht und siehe da: die Bezeichnung “Nahost-Trabbi” könnte passender nicht sein.
Mein Eindruck von diesem Auto: hübsch aber nicht modern, alt (kann also was aushalten, ist somit zäh und belastbar), irgendwie lustig.
Dieser Eindruck bestätigt sich durch den Rest des Buches. Nur, dass es nach dem ersten Kapitel nicht mehr um den Sussita sondern um das Land Israel und seine Bewohner geht. Oben genannte Adjektive treffen jedoch auf alle zu.

Das Buch besteht aus zwölf Kapiteln, die jeweils eine eigene Geschichte für sich beinhalten und dem Leser die Denkweise, die Eigenarten und den Charakter des israelischen Volkes nahebringen wollen. Manches davon mag durchaus autobiographisch sein, da der Autor einen Teil seines Lebens in Israel verbracht hat.

Kurzer Einblick in die Geschichten gefällig? Da geht es, wie schon geschrieben, um den Sussita, den Stolz einer jeden Familie. Wegen seines Materials und des Duftes desselbigen übt er allerdings auch eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Kamele aus, die gerne mal an so einem Wagen herumknabbern. Wie kann man also so blöd sein, seinen Sussita auf einem Parkplatz (unbeaufsichtigt!!!) abzustellen, auf dem ein Schild extra vor Kamelen warnt?
Ein weiteres Problem in Israel: die Essensversorgung der Armee. Da diese Institution nicht selbst kochen will, wird eine private Firma engagiert, die “Front Catering GmbH”. Dumm nur, dass diese Firma sich nicht in die Kriegsgebiete traut und somit die Soldaten an der Front leer ausgehen.
Es gibt jedoch auch die ein oder andere Anekdote aus dem Freundes- und Verwandtenkreis des Autors. Die wilde, langhaarige Heavy Metal-Jugendzeit und Tel Aviv zur Partyhauptstadt erklärt.
Und immer wieder taucht Onkel Sauberger auf, der geschworen hat, nie wieder Fleisch zu essen. Ausser Schweinefleisch. Das aber am liebsten unkoscher und in rauhen Mengen. Die Ärzte wundern sich, dass er mit einem dermaßen hohen Cholesterinwert überhaupt noch lebt.
Onkel Sauberger hat jede Lage im Griff. Wenn nicht, dann tut er wenigstens so.

Die Schreibweise des Autors ist stellenweise recht gewöhnungsbedürftig. Vor allem die Monologe, die er manchen Protagonisten “andichtet”, die sich ohne Punkt und Komma über ganze Seiten erstrecken, sind nicht mein Fall. Man wird dabei unweigerlich sowohl an den ewig sabbelnden und wild herumhopsenden französischen Schauspieler Louis de Funés als auch an den ebenso sabbelnden Obdachlosen in Paul Austers Roman “Timbuktu” erinnert.

Alles in allem ist das Buch mit seinen 150 Seiten interessant, was die Sichtweise auf Israel und seine Einwohner angeht, manchmal etwas langatmig, zwischendurch immer wieder sehr lustig, ein wenig durchgeknallt und ab und zu auch unglaublich.
150 Seiten genügen allerdings auch, mehr müssten es nicht sein.

Ich würde hier 3 von 5 Sternen geben.

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Für die heutige Gastrezension bedanke ich mich sehr herzlich bei Kerstin!

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