Ein Laboratorium menschlicher Möglichkeiten.
18. Juli 2010 von Bibliophilin
“Unsichtbar” von Paul Auster
Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3-498-00081-3
Paul Auster zu lesen ist eine Erfahrung für sich. Denn es ist ein Lesen zwischen Traum und Wirklichkeit. Hier ist nichts sicher und gerade wenn man denkt, man hat den Schock überwunden, kommt schon eine Wendung, die erneut verstört. “Unsichtbar” von Paul Auster ist für mich das Buch des Monats. Auch wenn ich vorhabe, im Juli noch einige Bücher zu lesen, weiß ich, dass dieses Buch noch längere Zeit in meinem Kopf und Herzen bleiben wird.
New York, 1967: Adam Walker möchte Dichter werden, mehr als alles andere. Auf einer Party lernt er den reichen Franzosen Rudolf Born kennen, der ihm vorschlägt, eine literarische Zeitschrift zu gründen. Adam ist 20 und noch sehr unerfahren, sieht aber in dem Vorschlag die Chance seines Lebens. Er lässt sich auf das Abenteuer ein, und auch auf eine Affäre mit Margot, der Lebensgefährtin von Born. Auf einem Spaziergang mit Rudolf wird Adam Zeuge eines Überfalls, was sein Leben schlagartig verändert. Bald führt Adams Weg von New York nach Paris. Die Geschehnisse, die sein weiteres Leben bestimmen, werden zunehmend undurchsichtiger und geheimnisvoller. Bis eines Tages, vierzig Jahre später, Adam schwer erkrankt seinen ehemaligen Studienkollegen Freeman aufsucht, um ihm seine Lebensgeschichte zu erzählen.
In verschiedenen Erzählsträngen und Perspektiven folgen wir den Irrungen und Wirrungen im Adam Leben. Mal Adam, mal seinem Freund Freeman, mal Cécile, mit der Walker vor vierzig Jahren in Paris befreundet war, kommen zum Wort. Es entsteht, wie so oft bei Auster, eine Geschichte in der Geschichte – ein typisches Merkmal seines literarischen Schaffens.
Von Inzest, Spionage erzählt Auster in seinem Buch, von Täuschung und Enttäuschung, von der Unmöglichkeit, Dinge zu vergessen oder sich seinen Gefühlen zu stellen. Von Grausamkeit, Lügen, Selbstmord und Mord, Krankheit und ungeheuerer Liebe. Und von der Unmöglichkeit, die Wahrheit zu sagen, um seine Mitmenschen nicht zu verletzen. «Damit wir die Wahrheit sagen können, werden wir sie als erfundene Geschichte darstellen müssen.»
Paul Auster zu lesen ist eine anspruchsvolle Angelegenheit. Denn der Autor legt Spuren, macht Anspielungen, konstruiert verworrene Welten. Doch wer den Fährten folgt, wird mit einer spannenden Geschichte belohnt, die berührt und schockiert. Die zeigt, dass man leider nicht immer auf ein gutes und schönes Ende hoffen sollte; die aber trotz aller Komplexität angenehm zu lesen ist.
“Unsichtbar” ist bis jetzt der beste Roman, den ich von Auster gelesen habe.





Ich habe bisher nur “The Music of Chance” damals im Englisch-LK gelesen und vor einiger Zeit ein Hörbuch (Nacht des Orakels) angefangen.
Deine Rezension macht Lust, mich wieder mehr mit dem Autor zu beschäftigen!
Lg, Ada
Und wieder ein Zufall zwischen dir und mir. : ) Der Auster liegt bereits neben mir und es soll der erste Roman sein, den ich von ihm lesen werde. Ich habe bereits reingelesen und war begeistert.
Aufrichtige Grüße
Klappentexterin
Tss. Da ist mir doch glatt ein Auster durch die Lappen gegangen. Unglaublich…. Werde mich glich mal kundig machen…
Danke, deine Rezi ist super und das Buch wird wohl bald mir gehören *g*
liebe bibliophilin,
ich danke dir ganz herzlich für deinen kommentar in meiner besprechung des buches von auster. ja, er hat mir auch sehr gut gefallen, deswegen habe ich mich auch etwas über die spiegel-rezension geärgert (meine fussnote 2), ich hatte den eindruck, daß auster hier aus prinzip schlecht geredet wurde.
Jedenfalls ist es – und das schreibst du in deiner prägnanten besprechung ja auch – ein buch, das sich zu lesen lohnt, weil es einen beim lesen fordert und mit gewinn wieder entläßt…
liebe grüße
flattersatz