Bis der Tag anbricht und die Schatten fliehen…
26. Juli 2010 von Bibliophilin
“Brief an Sally” von Charles Chadwick
Luchterhand
ISBN: 978-3-630-87328-2
Um kurz zusammen zu fassen: Ich liebe Bücher aus dem Luchterhand Verlag! Auch “Brief an Sally” von Charles Chadwick.
Naomi Marshall ist eine alte, einsame Frau, die umgeben von vielen Büchern ihrem Tod entgegen lebt. Meistens sitzt sie am Fenster und beobachtet das alltägliche Londoner Treiben vor ihrem Haus. Sie versucht ihre Nachbarn auf sich aufmerksam zu machen, denn leider kümmert sich niemand um sie. Eines Tages steht eine junge Frau namens Sally vor Naomis Tür und stellt sich als ihre zukünftige Nachbarin vor. Sally kommt nun regelmäßig abends bei Naomi vorbei. Gemeinsam trinken sie Tee und unterhalten sich – meistens über Sally, denn die alte Dame möchte nichts über ihre Vergangenheit erzählen, eine Vergangenheit in Afrika, die sie zu dem gemacht hat, was sie jetzt ist. Bis Sally eines Tages verschwunden ist und die zurückgelassene, unglückliche Naomi anfängt, ihr Leben Revue passieren zu lassen.
Sie erinnert sich an das nicht immer einfache Leben mit ihrem Mann Arthur, der in Afrika umgebracht wurde. Nach seinem gewaltsamen Tod musste Naomi sich die Frage stellen, wie gut man die Menschen wirklich kennt, die einem nahe stehen? Vielleicht ist es erst nach ihrem Tod möglich, ihre Geheimnisse zu entdecken. Und wie viel einfacher wäre das gemeinsame Leben gewesen, wenn die Geheimnisse keine gewesen wären.
Mit großer Sentimentalität erinnert sich Naomi auch an die junge Afrikanerin Leah und wie diese Bekanntschaft das Leben der beiden veränderte. Als Leserin stellte ich mir die Frage, ob Sally nicht ein bisschen Leah war? Naomi Marshall wird von Sally schließlich noch eine Nachricht erhalten und mit einem langen Brief wird sich Naomi von der jungen Frau verabschieden wollen, denn ein weiterer Schlaganfall hat sie sehr krank gemacht und nun ist sie dem Tod tatsächlich sehr nahe.
“Brief an Sally” berichtet von der Trauer über ein nicht gelebtes Leben. Doch ganz ohne Melancholie beschreibt Charles Chadwick dieses Leben, das nicht ganz erfüllend war. Letztendlich bleibt nichts anderes als das Akzeptieren.





Das hört sich sehr gut an! Danke für den Tipp und die schöne Rezension :)